Kein Sturm im Wasserglas

Wer in der NWZ am 5.10.2017 auf Seite 25 den Wetterbericht las „Zum Teil stürmisch“ und „Der auf Nordwest drehende Wind weht frisch bis stark mit Sturmböen“, konnte nicht ahnen, dass es besser gewesen wäre, eine Fahrt mit der Bahn zu vermeiden. Die Werbung aus den 60er-Jahren „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ musste im Laufe der Zeit revidiert werden. Zu den bekannten Problemen im Winter mit vereisten Oberleitungen, Weichen und umgestürzten Bäumen durch nassen Schnee gibt es im Sommer Probleme mit Klimaanlagen in den Zügen und z. B. in Oldenburg auch mit der Öffnung der Hunteklappbrücke ab einer Temperatur von 28° C. Im Herbst sind es die Bremsverzögerungen durch das Laub und die Herbststürme, von denen jetzt „Xavier“ für vorwiegend durch umgefallene Bäume entstandene Schäden an Oberleitungen, Oberleitungsmasten und Gleisen sorgte.. Die Meldungen darüber begannen tags darauf in der NWZ mit „Bahn im Norden lahmgelegt“ und endete am 13.10.2017 mit  „Bahnstrecke nach Leer wieder frei“.
Fehlende effektive Notfallpläne
Was schon moniert wurde bei der mehr als 7-wöchigen Sperrung der Rheintalstrecke bei Rastatt, ist auch hier der fehlende B-Plan (Was ist, wenn …).  Über die jetzige Sperrung von Bahnstrecken bis zu mehr als eine Woche empörte sich Niedersachsens Wirtschaftsminister Lies, der laut NWZ-Artikel vom 10.10.2017 S. 17 („Harte Minister-Kritik an Bahn“)  für die Zukunft „effektive Notfallpläne“ sowie „bessere Informationen für Fahrgäste und die Logistikwirtschaft“ über Behinderungen und absehbare Zugfahrten forderte.
Bäume als Übeltäter?
Gerade vor kurzem hatte die Bahn en Anliegern im Norden Oldenburgs angekündigt, dass an der Bahnstrecke Vegetationsarbeiten bis Mitte November durchgeführt werden zum Schutze vor herabfallenden Ästen oder umgestürzten Bäumen, gibt das Wetter eine eigene Antwort. Die Unrichtigkeit der Behauptung der Bahn, die Arbeiten behördlich abgesprochen zu haben, nährten die Befürchtung, die Bahn könne bereits Bäume fällen im Zusammenhang mit dem (noch nicht planfestgestellten)  Ausbau der Bahnstrecke. Dies kann in der NWZ vom 12.10.2017 S. 29 unter Deutsche Bahn fällt vorsichtshalber Bäume nachgelesen werden. Nun dürfte teilweise der Sturm dafür gesorgt haben, dass einige Bäume nicht mehr von den Arbeitern beschnitten oder gar gefällt werden müssen. Was man zur Sicherheit des Bahnverkehrs in der Zukunft tun müsse, um das Herabfallen von Bäumen auf die Gleise zu verhindern, wird unterschiedlich bewertet. In einem Artikel der ZEIT vom 11.10.2017 „Die Säge nach dem Sturm“ wird  der Pro-Bahn-Vorsitzende Neuß zitiert, der die baumfreie Sechs-Meter-Zone beidseits der Schienen für zu knapp bemessen.hält. Pro Bahn schlägt zur Diskussion einen runden Tisch vor,, an dem die Deutsche Bahn und ihre Tochterfirmen, Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Naturschutz teilnehmen sollen. Die Argumentation von Pro-Bahn erinnert an die Aktionen des ADAC in den 60er-Jahren, die Alleebäume zugunsten eines sichereren Straßenverkehrs zu beseitigen. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich hier ebenfalls der Naturschutz durchsetzt.
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Ein Kommentar

  1. Bei der jetzigen, bis Mitte November geplanten brutalen Abholzung von allem, was dem späteren Ausbau im Wege wäre, muss man bedenken: Fällt man in größerem Stil „Randbäume“ , die vor Gehölzen stehen und den dahinter stehenden Gehölzen bisher Windschutz gaben, sind die in 2. oder 3. Reihe stehenden Gehölze stark gefährdet bei Sturm. Ohne große Not große Bäume zu entfernen ist nicht nur naturschädigend – es ist auch dumm!!

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